veröffentlicht am 16. Oktober 2014 in Kinderwagenkauf von

Bundesarchiv Bild 183-N1015-0010, Leipzig, vorm Warenhaus am BrühlBeim Spaziergang durch die Stadt sieht man sie zuhauf – Mütter oder Väter, wie sie stolz mit dem Kinderwagen flanieren. Der Kinderwagen von heute ist mehr als nur für den Transport von Kleinkindern zuständig, Kinderwagen präsentieren sich heute in modernen und flippigen Farben, unterschiedlichen Formen und sind teilweise mit viel Hightech ausgestattet. Man kann sie zusammenklappen und im Auto verstauen, sie sind superleicht zu schieben, wendig und verfügen über viel Komfort für Eltern und Kind. Der Markt bietet eine große Vielfalt an unterschiedlichen Modellen aus allen Preisklassen.

Vergleicht man den Kinderwagen von heute mit dem Kinderwagen von vor 50 Jahren, fallen unweigerlich große Unterschiede auf. Geht man noch weiter zurück, führen Recherchen nach England ins 19. Jahrhundert, wo im Jahre 1840 erstmalig eine Fabrik für den Bau von Kinderwagen entstand. Geht man noch weiter zurück, findet man sich im Mittelalter wieder, wo die Kleinen mit Schubkarren transportiert wurden.

Die Historie des Kinderwagens oder, wie dieses Transportmittel entstand

Der heutige Kinderwagen blickt auf eine lange Tradition zurück und wurde in vergangenen Tagen auch gerne Kinderkutsche genannt.
Seine Wurzeln findet der Kinderwagen in England, wo es im 19. Jahrhundert zur Mode wurde, mit Kleinkindern täglich zum Spaziergang zu starten. Man orientierte sich an den sogenannten Stubenwagen, die in den Kinderzimmern zum Schlafen der Babys dienten und aus einem Körbchen auf Rädern bestanden.

Eine Fabrik in England stellte zunächst dreirädrige Gefährte her, die mit sehr hohen Rädern aus Eisen gefertigt wurden. In diesen Kinderwagen konnten die Kleinen nur sitzend transportiert werden. Etwa 13 Jahre später wurde von Charles Burton das erste Patent angemeldet und eingetragen, jedoch war dieser Kinderwagen auch nur für den sitzenden Transport geeignet. Im Jahre 1880 war es dann endlich so weit und der erste Kinderwagen mit Liegemöglichkeit kam auf den Markt. Dieses Gefährt verfügte dann auch über vier Räder und über eine Stange zum Schieben.

Von den Londoner Kinderwagen inspiriert, begann man bald darauf auch in Deutschland mit dem Kinderwagenbau. Die Firma Naether stellte sogar einen Katalog für Interessierte zur Verfügung, in dem man bis zu 100 unterschiedliche Modelle vorfand. Natürlich konnte sich nicht jede junge Familie in jener Zeit einen Kinderwagen leisten, Kinderwagen sah man nur bei Familien aus der Oberschicht. Erst in den Jahren von 1920 bis 1930 gönnten sich auch Familien aus anderen Schichten einen Kinderwagen. Die Massenproduktion begann etwa 1930.

Das traditionsreiche „Gefährt“ wurde weltweit produziert und Jahre später wurden auch Zwillingswägen gebaut, die in unterschiedlichen Modellen angeboten wurden.

Fortschritte

In den 50er Jahren zeigten sich deutliche Fortschritte bei der Kinderwagenherstellung. Es wurde mit Kugellagern und Rohrfedergestellen gearbeitet und es wurden Kinderwagen zum Auseinanderbauen hergestellt. Auch Rücklichter fanden an Kinderwagen ihren Platz und der erste Kombi-Kinderwagen kam auf den Markt.
Bereits in den 60er Jahren kam dem Komfort eine tragende Rolle zu und man baute bestimmte Schleusen ein, um eine bessere Belüftung zu gewährleisten. Des Weiteren schenkte man auch der Polsterung im Inneren des Wagens mehr Beachtung. Weitere zehn Jahre später kam das Panoramafenster dazu, das aufgeklappt, dem Baby mehr Sichtfreiheit ermöglichte. Mit den Jahren wurden die Kinderwagen leichter und wendiger und sind auch in unterschiedlichen Bezügen erhältlich. Bestimmte Modelle konnten zum Sportwagen umgebaut werden.

Heute findet man die passenden Accessoires zum Kinderwagen der Wahl: So passen Wickeltasche und Schirm zum Design des Wagens, auch Regenschutz und Moskitonetz gehören bei zahlreichen Modellen schon zur Grundausstattung.

Kinderwagen ist nicht gleich Kinderwagen

Neben dem klassischen Erstlingskinderwagen bietet der Handel auch Sportwagen für größere Kinder an, in denen die Kleinen sitzend transportiert werden können.

Als Kombi-Kinderwagen werden all jene Modelle bezeichnet, die sich vom Kinderwagen zum Sportwagen umbauen lassen und so über mehrere Jahre zum Einsatz kommen. Wer einen zusammenklappbaren Sportwagen sucht, wird mit einem Buggy fündig. Dieses sehr wendige und leichte Gefährt wurde bereits 1965 von Owen Maclaren entwickelt und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit.

Sollen mehrere Kinder gleichzeitig transportiert werden, gibt es den klassischen Zwillingswagen, der sich unterschiedlich zeigen kann.
Ein Krippenkinderwagen kommt dann zum Einsatz, wenn mehr als zwei Kinder mitgenommen werden. Dieser Wagentyp stammt ursprünglich aus der ehemaligen DDR und wird heute von Kindergrippen und Tagesmüttern für Ausflüge genutzt.

Ist ein Kind behindert, stehen sogenannte Rehawagen zur Verfügung. Hier wird auf noch besseren Fahrkomfort Wert gelegt und ebenso sind die Anpassungsmöglichkeiten besser sowie die Tragfähigkeit höher.

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2 Kommentare

Hallo !
Dieser Tread ist informativ, weitgehendst richtig, aber erweiterungsbedürftig, denn bereits um 1700 gab es „Kinderkutschen“,
Was mich jedoch am meisten stört : Kinderwägen. Der Plural von Kinderwagen lautet nur in Österreich so. In Deutschland heißt es Kinderwagen !
LG Andrea

Besten Dank für die Hinweise. 🙂